Wie viele Besitzer von schnellen Newtonteleskopen fragte ich mich, ob die Anschaffung eines Komakorrektors eine sinnvolle Investition wäre. Nun hatte ich die Gelegenheit, einen Paracorr von TeleVue mit verschiedenen Okularen an meinem 12,5“ f4,5 Dobson zu testen.

Wieso habe ich so lange gezögert: Das Ding ist teuer, schwer, hässlich und bringt vier zusätzliche Linsen (zwei Gruppen zu zwei Linsen) ins Spiel. Aus diesen Gründen las ich mit Wonne die skeptischen Erfahrungsberichte, und wischte „Pro-Argumente“ gerne unter den Teppich.

Eigentlich war ich mit der Leistung meines „Ninja320“ zufrieden. Der Spiegel aus russischer Fertigung arbeitet sauber. Fokale und ausserfokale Sternbilder entsprechen dem Soll wie es im „Suiter“ steht. Leistungsumschreibende Zahlen habe ich aber keine. Meine Okulare sind von guter Qualität und für schnelle Newtons geeignet.Die Sterne waren entsprechend den atmosphärischen Gegebenheiten immer über einen weiten Bereich des Bildfeldes scharf. Aber was ist schon scharf? Mit dem grossen Apo-Refraktor eines Freundes mochte der Newton nicht mithalten. Dort sind die Sterne feiner, punktförmiger und der Kontrast ist höher.

Koma existiert, da gibt es nichts zu deuteln. Man liest oft, damit liesse sich problemlos leben, schliesslich sei ein Newton und speziell ein Dobson in erster Linie ein Deepskygerät. Wenn da nur nicht eine kleine flächige Ausdehnung eines Sterns, oder eine gewisse Unruhe im Bild wäre. Mich sticht es, wenn ich die Ungewissheit habe, dass das Bild in meinem Gerät eventuell noch besser sein könnte.

Im folgenden verzichte ich bewusst auf technische Daten und Beschreibungen des Paracorr. Diese können auf der Homepage von TeleVue nachgelesen werden: www.televue.com
Testobjekte waren in Horizontnähe der offener Sternhaufen M46, in Zenitnähe die Plejaden, und dazwischen der Orionnebel bzw. die zwei kleinen Zusatzsternchen im Trapez.

Beobachtungen:
Das Bild im Nagler26 solo ist naglerlike fast randscharf. Die letzten 5% ab Rand verlieren an Schärfe. Ich habe den Eindruck, dass das Auge „arbeiten“ muss, wenn bei gleicher Stellung des OAZ Sterne im Aussenbezirk und der Mitte des Bildfeldes betrachtet werden. Das Bild wirkt dadurch etwas unruhig, lebendig. Fixiert man einen beliebigen Stern ist der aber korrekt scharf und punktförmig. Das Trapez im Orionnebel zeigt neben den vier Hauptsternen auch die beiden sehr nahegelegenen schwachen Sternchen. Im Randbereich werden die zwei allerdings etwas heikel zum Identifizieren. Defokussiere ich absichtlich intra- oder extrafokal, zeigen nur die Sterne in der absoluten Bildmitte ein schön konzentrisches Bild mit den berühmten Ringen. Je weiter von der Bildmitte weg, um so weiter rückt der dunkle Fleck im Sternen-Donut zur Seite.

Das Bild im Nagler26 mit Paracorr ist auffällig ruhiger und feiner. Das Auge kann wesentlich entspannter das Bild geniessen, und zwar bis an den äussersten Rand. Die Sternpunkte sind feiner und scheinen schärfer. Der Kontrast des Bildes scheint durch oben beschriebene Effekte verbessert. Unscharf gestellt zeigen alle Donuts das dunkle Zentrum sauber mittig, bis zum Bildrand. Die zwei feinen Sternchen neben den Trapezsternen im Orionnebel sind bis zum äussersten Rand gestochen scharf zu sehen.

Das Bild im Panoptic35mm solo ist recht randscharf, nicht ganz so gut wie im Nagler solo, aber nach wie vor sehr brauchbar. Etwa 90% des Bildfeldes sind korrekt. Die defokussierten Sternbilder im Panoptic ohne Paracorr gleichen denen im Nagler ohne Paracorr sehr stark.

 Das Bild im Panoptic35mm mit Paracorr zeigt perfekte Randschärfe bis zum Anschlag. Auch hier wirkt das Bild viel ruhiger, fast leblos. Die Sternpunkte sind feiner und scheinen schärfer durch das Zuschalten des Paracorr. Ein kleiner Unterschied zum Nagler besteht dennoch: Die Donuts sind mit der Kombination Paracorr Panoptic35 nicht bis zum äussersten Rand absolut konzentrisch, aber doch beinahe. Der Kontrast des Bildes scheint durch oben beschriebene Effekte verbessert. Was ich zu den Trapezsternen im Orionnebel beim Test mit dem Nagler26 geschrieben habe gilt vollumfänglich auch hier.
Die Bilder im Panoptic24mm zeigen exakt die gleichen Effekte wie beim Panoptic35.

Letztes Okular im Komakorrektortest war das Nagler 13mm Typ 6. Hier zeigte sich nur wenig Änderung, ob mit oder ohne Paracorr beobachtet wurde. Das Bild wird im Gesamteindruck wenig verändert. Die Sterne scheinen in den Randbereichen etwas besser definiert, aber der Effekt ist hier nicht so dramatisch. Falls eine Änderung sichtbar ist, geht sie mit dem Paracorr aber in Richtung Verbesserung.

Fazit:
Der Paracorr ist für mich am f4,5 Newton eindeutig eine Verbesserung. Der Lichtverlust durch die zusätzlichen Linsen ist nicht bemerkbar. Der Kontrast wird durch die höhere Schärfe namentlich im Randbereich deutlich verbessert. Das ganze Bildfeld scheint vom besserem Kontrast und von feineren Sternpunkten zu profitiert.
Leider ist die mechanische Ausführung des visuellen Paracorr an einem Punkte liederlich. Die höhenverstellbare Hülse hat zwar löblicherweise eine Bronzespange zum Festklemmen der Okulare oder der mitgelieferten 2“/1,25“ Reduktion, aber sie hat fast 0,2mm Spiel auf dem Korrektor-Grundkörper. Das heisst, die Höhe des Okulars über dem optischen Element ist zwar optimierbar, aber das Feststellen dieser Höhe mittels Rändelschraube verkippt den Okularhalter ein wenig. In der Praxis habe ich dadurch zwar keine Bildverschlechterung ausmachen können. Aber es nervte, und an Kollimieren mit eingesetztem Paracorr war nicht zu denken. Mit Teflonklebeband von 0,1mm Stärke hob ich dieses Spiel auf. Nun sitzt das Ding immer schön stramm. Man kann sogar mit eingesetztem Paracorr den Newton kollimieren.

Die viel gelesene Aussage, dass Naglerokulare Koma von schnellen Parabolspiegeln auskorrigiere, und ein Komakorrektor deshalb sinnlos sei, ist blanker Unsinn. Naglerokulare und wie mir scheint auch die Panoptic korrigieren Astigmatismus. Möglicherweise ist das gekrümmte Bildfeld, welches beiden Typen anhaftet, der Preis dieser Korrektur. Aber gerade dieses korrigierte Bild ermöglicht dem Beobachter die Koma, die sein Spiegel produziert, zu sehen. Und hier hilft der Paracorr wunderbar.

Zum Schluss:
Achtung - der Paracorr bewirkt eine Brennweitenverlängerung um den Faktor 1,15 und verlangt am Okularauszug etwa 2 cm mehr Weg nach innen.






© Peter Fischlewitz 2005