Entweder
man mag
Volltubus-Newtons oder man bevorzugt Gitterrohrtuben. Beide Typen
haben ihre Vor- und Nachteile. Hier meine Erfahrungen mit meinem
Gerät:
Tubus und Montierung:
Ein 12,5" Volltubusdobson ist normalerweise ein verblüffend
riesiges
Gerät
und nur umständlich im PW zu transportieren. Nicht so das
Ninja.
Das
Ninja
ist genial - wirklich! Die Vorteile der Volltuben, ultraschneller
Aufbau, problemloses Handling und gute Justierstabilität -
trotz der schnellen Öffnung von f4,5 - kommen hier bestens
zum Tragen. Volltubusnachteile wie Sperrigkeit und hohes
Gewicht sind durch den raffinierten zweiteiligen GFK-Tubus
ausgeschaltet. Mit wenigen Handgriffen ist das Rohr solide, passgenau
und ohne Kollimationsverlust zusammengebaut. Der schwerere untere
Tubusteil mit dem Hauptspiegel wiegt ganze 11 kg und passt zusammen mit
der oberen Tubushälfte und der sehr handlichen Rockerbox spielend
in einen
kleinen Personenwagen. Das ganze aufgebaute Teleskop ist sehr kompakt.
Die Einblickhöhe ist für stehendes Beobachten zu niedrig,
man braucht also einen höhenverstellbaren Stuhl.
Bevorzugt
man stehendes Observieren ist ein ca. 25cm hohes Teleskoppodest
notwendig.
Das Teleskop lässt schön feinfühlig, aber nicht ohne
einen
gewissen Widerstand, jede gewünschte Position sauber anfahren. Das
Anschieben geht ruckfrei und praktisch ohne rückfedern.
Typisch für grosse Volltuben ist Tubusseeing. Dieses Problem tritt
auch beim Ninja auf. Hierbei wird das Bild durch Wärmekonvektion
im Tubus gestört. Vor allem bei Beobachtungen mit hohen
Vergrösserungen tritt dadurch Schärfe- und Kontrastverlust
auf. Da die Aussentemperatur selten über lange Zeit völlig
stabil ist, kann Tubusseeing auch beim vermeintlich gut
ausgekühltem Telskop auftreten. Abhilfe schafft Luftabsaugen aus
dem unteren Tubusende, oder horizontales Wegblasen oder Wegsaugen der
Luftschicht über dem Hauptspiegel.
Die Innenschwärzung im Ninja ist sehr gut, und wird von einer
innenliegenden Blende und der Frontblende unterstützt.
So schön das glänzende schwarze Teleskop ist, birgt dieses
elegante Schwarz einen Nachteil. Bei Sonnenschein aufgebaut, muss das
Ninja bis zum Nachteinsatz abgedeckt werden, da sich der schwarze Tubus
bei Sonnenschein durch Absorption des Sonnenlichts stark aufwärmt.
Optik:
Der
Spiegel aus russischer Fertigung ist sehr gut, hohe
Vergrössserungen
bis über 500fach sind mit
dem Gerät problemlos machbar.
Beugungsbilder
sind bei guten
atmosphärischen Bedingungen mustergültig. Damit das wirklich
gute Bild
nicht durch Tubusseeing gestört wird, habe ich ein
Lüftungssystem
gebaut. Mit zwei 12 V Lüftern aus alten Computern ziehe ich die
Luft
aus dem Tubus nach unten weg. Abschliessende Tests stehen noch aus.
Die Obstruktion ist mit 23% nicht gerade das Sparsamste, für einen
f4,5 12,5 Zöller aber
vertretbar.
Mechanik:
Der Okularauszug vom Typ Crayford arbeitet sehr
präszise und
feinfühlig. Der Hub umfasst grosszügige 75mm und hat genug
Reserve, einen Komakorrektor aufzunehmen und alle bisher
getesteten
Okulare in
den Fokus zu bringen. Diese grosszügigere Auslegung erfordert den
üppigen 73mm Fangspiegel (23% lineare Obstruktion) um ein grosses
vignettierungsfreies Feld
zu
erhalten. Die
Okularauszugshülse ragt nie in den Strahlengang.
Es gibt Okularauszüge mit mehr Raffinesse,
aber der bestehende erfüllt seinen Zweck sehr gut. Er ist solide
und
präzise. Auch schwere Zuladung wie Paracorr
und
eingestöpseltes 31er
Nagler bringen ihn nicht aus der Ruhe. Die Leichtgängigkeit kann
mit
einem Inbusschlüssel eingestellt werden. Durch Lösen einer
Rändleschraube lässt sich der OAZ um 360° auf seinem
Sockel drehen.
Um bei sehr
hohen Vergrösserungen noch feiner Einstellen zu können, habe
ich eines
der beiden Handräder am Okularauszug durch ein wesentlich
grösseres
ersetzt. Das ermöglicht ein feineres Einstellen bei
Vergrösserungen
jenseits der 300x Marke.
Siehe
Bilder rechts.
Der Hauptspiegel behält seine Position trotz Aufbau, Abbau und
Transport. Das heisst, die Hauptspiegelzelle arbeitet gut. Allerdings,
und hier ist ein Schwachpunkt, dürfte die Spiegelzelle etwas
raffinierter und fortschrittlicher
sein. Für die drei
Stellpunkte
werden je zwei Stellschrauben verwendet, eine Zug-
und eine Konter-Stossschraube, und dies erst noch ohne
Rückstellfeder. Das
Kollimieren muss deshalb ein wenig geübt werden. Aber man
gewöhnt sich rasch daran. Häufiges
Kollimieren ist ohnehin nicht angesagt.
Die Zelle hält
den Spiegel sehr gut in Position, obwohl ein f4,5 Gerät
systembedingt diesbezüglich anspruchsvoll ist. Vielleicht ist
gerade da die
"primitive" Mechanik einer aufwändigen Konstrukiton überlegen.
Leistungen im Nachteinsatz:
Berichte, Tests und Eindrücke noch in Arbeit...
Zusammenfassung:
Pros:
Gut durchdachtes Gerät
Leichtgewicht
sehr schneller Auf- und Abbau
geringes Transportvolumen
gute optische Komponenten
gute mechanische Komponenten
sehr schönes Gerät
Cons:
schwarzer Tubus wird an der Sonne heiss
konservative Hauptspiegelzelle
Kollimation muss geübt werden
23% Obstruktion
verstellbarer Hocker oder Teleskoppodest für stehendes
Observieren notwendig