Celestron ED80                           


 

           
Das Celestron ED80 montiert auf einer AYO Montierung von AOKswiss. Das ist eine stabile und sehr schnell einsatzbereite Kombination.
Die azimutale AYO-Montierung hält das Teleskop sehr schwingungsarm und ermöglicht ein präzises und feinfühliges Nachführen auch bei hohen Vergrösserungen.
 


Test
Standort: Mürren im Berner Oberland/CH
Höhe über Meer: 1630m
Datum und Zeit: 21. Sept. 2005  03.00 Uhr
Wetter: wenige Wolken,  ruhige Luft mit wenig Seeing
Temeperatur: 4°C
Testokular: TeleVue Nagler Zoom 3-6mm

Intra- und extrafokale Beugungsbilder sind identisch und schön rund, auch am Bildrand. Offensichtlich hat die Optik keinen Astigmatismus. Der äusserste Ring im Beugungbild ist ein ganz klein wenig ausgeprägter als die inneren. Das werde ich noch verfolgen. Am fokusierten Bild ist alles absolut in Ordnung. Bei 200 facher Vergrösserung (Nagler Zoom bei 3mm) zeigt ein Stern zweiter Grösse ein eindeutig scharfes, ganz leicht flächiges Sternbild, wie ein Loch mit einer feinen Nadel gestochen, mit einem fein gezeichneten Beugungsringchen rundum. Das Bild ist sehr schön.

Doppelstern Eta-Orionis
Abstand 1,7"    Mag. 4,0 und 4,9
problemlos zu trennen ab 120 facher Vergrösserung. Auch mit 200 facher Vergrösserung (Okularstellung 3mm) scharf einstellbar. In dieser Position ist noch viel "Luft" zwischen den Komponenten.   Kompliment an das Teleskop!

Mars
Keine Polkappen wahrnehmbar. Sind zur Zeit überhaupt welche sichtbar vorhanden? Auf der Oberfläche sind klar und kontrastreich Dunkelgebiete erkennbar. Ab 150 facher Vergrösserung nicht mehr restlos farbfehlerfrei. Dieser chromatische Fehler ist aber wirklich gering und bei dieser, für einen 80mm Refraktor hohen Vergrösserung, gut tolerierbar.

Schwachpunkt des Gerätes
Der Okularauszug war sehr schwergängig. Den "Chinakleister" habe ich mit Lösemittel sauber entfernt und durch einen Hauch feines temperaturstabiles Fett ersetzt. Die groben Kunststoffgleitpads wurden durch ordentliches Teflon ersetzt. Nsch diesen Massnahmen lief der Auszug recht ordentlich und ohne Spiel. Jetzt waren hohe Vergrösserungen gut fokussierbar. Trotzdem liegt hier noch deutliches Verbesserungspotential.

Kurzvergleich mit dem edlen TeleVue TV85
Die optischen Unterschiede zwischen dem Celestron ED80 und dem TV85 sind nicht sehr gross! Bei 100 facher Vergrösserung und Objekten wie offenen Sternhaufen, Kugelsternhaufen oder flächige Nebel sind keine Unterschiede feststellbar. Bei hohen Vergrösserungen an Jupiter zeigt das Celestron ED80 mehr Farbe - wiewohl auch das TV85 nicht absolut farbfrei ist. Beim ED80 ist ein leichter rotgelber Halo um den Planeten auszumachen.  Doppelsterne wirken bei hohen Vergrösserungen (120 bis 200 fach) im TV85 etwas kontrastreicher getrennt und besser definiert. Nochmals: Die optischen Eigenschaften der beiden Geräte scheinen nicht sehr weit auseinander zu liegen. Mit dem Celestron erhält man eine verblüffend gute Optik. Über allfällige Serienestreuung kann ich keine Aussagen machen. Die Mechanik ist beim TV85 allerdings eine völlig andere Klasse als beim Celestron ED80. Die 5mm mehr Öffnung des TV85 sind von untergeordneter Bedeutung; die sind nur in Grenzfällen bemerkbar. Ärgerlich beim Celestron ED80 ist die monströse festgeschraubte, d.h. nicht zurückschiebbare Taukappe. Obwohl ich den Okularauszug mit Sorgfalt getunt habe, erreichte er nie das Niveau des TV85. Das Celestron punktet beim Gewicht. Trotz dem knappen Kilogramm weniger, wirkt das Celestron keinesfalls filligran.

Fazit
Das Celestron ED 80 ist ein feines Gerät mit hohem Spassfaktor. Wenn man in Kauf nimmt, ein wenig Hand anzulegen wird es zu einem Highperformer.




Umbau

1. Tubus



Die Wandstärke des Alutubus beträgt 1mm. Um die Stabilität des Materials zu erhöhen wurde über das Tubusende umgehend ein Streifen 0,5mm starken Alubleches vollflächig aufgebracht. Der aufwändig an den neuen OAZ angepasste Tubus wurde sauber geschliffen und erhielt ein neues Farbgewand aus Autolack (Alfa Romeo).

2. Okularauszug


Mit einem Crayford Refraktor-OAZ von TeleskopService habe ich einen Kandidaten als Ersatz für das mechanisch mangelhafte Originalteil gefunden. Lustigerweise sind viele nutzlose Madenschrauben im OAZ-Körper verbaut, wahrscheinlich um das Design aufzuwerten... 
Der Einbaustutzen des TS-OAZ wurde mit 0,5 mm starken Aluminiumblechs umlaufend 1mm aufgebaut. Die drei Montagelöcher mussten in der Folge ins Aufbaualublech nachgeschnitten werden.
Trotz tüchtigem Handanlegen befriedigte mich die 10fach Untersetzung des neuen OAZ nicht vollständig. Grössere Temperaturschwankungen veränderten den Schlupf des Untersetzungs-Vortriebes zu sehr. Das konnte auch durch exakte Justage der Untersetzungsmechanik nicht restlos behoben werden. Also ersetzte ich die 1:10 Untersetzung durch ein Paar übergrosse und deshalb sehr feinfühlig zu bedienende Handräder. Das Öffnungsverhältnis von f 7,5 der ED80 Optik bietet reichlich Schärfentiefe. Ein Feintrieb ist für eine solche Optik deshalb ohnehin überflüssiger Ballast.
Um das Tuning auf die Spitze zu treiben, habe ich die Achsführung, welche die Crayfordachse gegen das Auszugsrohr presst, mit Teflon ausgekleidet. Damit wurde auch der letzte Rest Spiel aufgehoben und die Achse läuft absolut seidenweiche, auch bei hoch eingestelltem Anpressdruck.


3. Rohrschelle / Tubushalterung




Die Originalrohrschelle war sehr solide, aber völlig überdimensioniert und unnötig schwer. Aus dieser grossen Rohrschelle wurde der Kernsattel befreit und sauber verschliffen. Der integrierte prismenschienenartige Teil konnte problemlos auf Vixenstandard angepasst werden. In den Auflagesattel wurden M4, M5 und 1/4" Gewinde für Fotostative geschnitten. Die so umgebaute Tubushalterung wurde vollflächig auf den Tubus geklebt.
Der Refraktor passt nun ohne jedes weitere Zubehör auf ein stabiles Fotostativ oder ohne weitere Prismenschiene auf die gängigen Kleinmontierungen.

Vorteil:
Enorme Gewichtseinsparung bei hoher Stabilität.
Nachteil:
Der Tubus ist nicht mehr gegen die Rohrschelle drehbar. Allerdings lässt sich der OAZ durch leichtes Lösen dreier Inbuschrauen problemlos in jede gewüschte Position drehen. Bei azimutater Montage ist ohnehin nur eine einzige Position für immer nötig

  



Resultat unter dem Strich:
Der ganze ED80 wiegt neu einschliesslich integrierter Tubushalterung und Taukappe 2320 g. Die Mechanik passt nun zur wirklich guten optischen Leistung des Gerätes.  Das Teleskop ist optisch und mechanisch ausgewogen und von wirklich guter Qualität.