Canon IS 10 x 30
                                   

                Pros:
Ausgezeichnete Optik
Bildstabilisierung ist der Hammer
Handlich und leicht
Gute Fokusierung
Sehr angenehmes Einblickverhalten        

Cons:
Lausige Tasche
Keine Objektivdeckel
Kunststoffeeling, aber stabil
Stromverbrauch
Grüne Kontrolleuchte
Der bildstabilisierte Canon ist kein niedliches Ding wie normale 10x30 Taschenfeldstecher. Sein Äusseres ist für die 30mm Objektive eher bullig. Das klassische Glas für astronomische Beobachtungen ist ein 7x50 bis 10x50 Feldstecher. Ist für den geneigten Amateur ein 10x30 bildstabilisierter Feldstecher nun ebenfalls geeignet?  Und ob!

Erst mal muss mit der Einschränkung, dass ein „Nachtglas“ eine Austrittspupille von 7mm liefern muss, aufgeräumt werden. Auch beim Feldstecher gilt, dass mit 7mm Austrittspupille der Himmel zu stark aufgehellt wird, es sei denn, man befinde sich in der Wüste oder im Hochgebirge. Eine zu grosse Austrittspupille wird kontraproduktiv, wenn durch Aufgehellen des Hintergrundes Kontrast zu den Beobachtungsobjekten verloren geht. Es gilt abzuwägen, wo man sein Instrument einsetzen will.

Beim Canon scheint mir die optische Qualität ausgezeichnet zu sein. Vor sattschwarzem Hintergrund sind Sterne bis an den Rand punktförmig fein abgebildet. Es konnten keinerlei störende Lichthöfe oder Reflexe beobachtet werden. Das Einblickverhalten ist ruhig und entspannt. Die etwas rustikal ausgefallenen Augenmuscheln schützen wirkungsvoll vor Streulich. Das Bildfeld ist recht eben, aber nicht absolut verzeichnungsfrei. Das ist bei Nachtbeobachtung ohnehin kein wesentliches Kriterium. Nur teuerste Ferngläser von Leica, Zeiss und Co können mit wirklich ebenen Bildfeldern bis zum Rand aufwarten. Zum Vergleich: Ein gleich teures sehr schönes Pentaxglas ohne Bildfeldstabilisierung habe ich parallel mit dem Canon am Tag getestet. Hauskanten am Rande des Bildes waren im Pentax deutlich stärker gebogen als im Canon.

Das Gesichtsfeld ist mit ca 60° nicht gewaltig gross, aber angenehm übersichtlich und schon recht weiträumig. Was tatsächlich eine gewaltige Steigerung der Beobachtungsqualität verursacht ist die Bildstabilisierung. Auf  Knopfdruck friert das Bild so ein, dass problemlos die vier galiläischen Monde um Jupiter bis zum Erlahmen der Arme ruhig und gestochen scharf beobachtet werden können. Versucht das mal mit einem konventionellen Feldstecher. Die Monde sind ohne Image-Stabilizer immer nur in kurzen zitterfreien Momente gut sichtbar. Eine Restbewegung bleibt ohne IS immer, da kann das Glas einen noch so klangvolle Namen haben, das kostet Sicht.

Mechanik:
Die Fokusierung spielt schön und satt. Das Gehäuse wirkt etwas zu kunsttoffig, ist aber stabil. Die gepolsterte Nylonülle bietet zuwenig Schutz. Der Knopf für die Bildstabilisierung kann durch die Hülle z.B. im dicht gepackten Rucksack, gedrückt werden. Das überrascht einen dann mit geleerten Batterien. Der Stromkonsum ist ganz ordentlich. Je nach Aussentemperatur hält ein Satz von zwei LR6-Alkalimangan 0,5 bis 4 Stunden (Werksangabe). Da es nachts meist kühl ist, sollte man nicht von den optimistischen 4 Stunden ausgehen. Seit ich Li-Batterien verwende, habe ich damit aber keine Probleme mehr. Die liefern auch bei Kälte genügend Energie und halten viel länger.
Oben auf dem Gehäuse befindet sich eine Funktionskontrolleuchte für den IS. Diese LED leuchtet leider grün, ist zum Glück aber nicht im Gesichtsfeld des Operators.
 
Fazit:
Erst die Bildstabilisierung ermöglicht mir nachts den sinnvollen Umgang mit einem Feldstecher ohne Stativ.